85 Jahre Posaunenchor Nieder Ofleiden

(nr.) Nieder-Ofleiden.  Mit vielen Gratulanten feierte der Posaunenchor Nieder-Ofleiden kürzlich im Rahmen des Dorffestes sein 85-jähriges Jubiläum. Pfarrer Bernd Passarge eröffnete den Festakt mit einem musikalischen Gottesdienst unter dem Motto des Psalm 150: „Lobet den Herrn mit Posaunen“.  Pfarrer Passarge hob hervor, dass man nach 85 Jahren einen Gewöhnungseffekt in der Gemeinde erzielt hätte, so als hätte es den Posaunenchor schon immer gegeben. Dass dies nicht der Fall sei, erläuterte Pfarrer Passarge, in dem er die Erweckungsbewegungen des Hermannsburger-Missionswerks im 19. Jahrhunderts darstellte. Seinerzeit war Kirche den Menschen zu formal und wurde gemieden, daher wurden Missionare in die ganze Welt gesandt. Da Kirchenorgeln aufgrund ihrer Bauweise ausschieden, wurde die Botschaft mit transportablen Musikinstrumenten, wie zum Beispiel den Posaunen überbraucht. Aus dieser Bewegung heraus gründete sich im Jahre 1843 in Westfalen der erste Posaunenchor, seinerzeit noch Jünglingsverein genannt. Der Posaunenwind aus Westfalen und Niedersachsen breitete sich schnell über das ganze Land aus. Heute gibt es fas 7.000 Posaunenchöre mit ca. 120.000 Bläsern.

Posaunenchöre haben laut Pfarrer Passarge alle gesellschaftlichen Wandlungen miterlebt und anfangs nicht nur Beifall, sondern auch Kritik geerntet. So heißt es  1882 im „Reichsblatt“: „Da gibt es auch sog. ‚Posaunenchöre‘, welche Töne blasen, die Steine erweichen und Menschen rasend machen können, und wenn irgendwo ein armer Mensch schwerkrank darniederliegt, so kommen diese traurigen Gesellen mit ihren Posaunen und geben ihm mit ihrer furchtbaren Musik den letzten Gnadenstoß.“  Diesen negativen Stimmen konnte man nur durch Organisation und Qualität entgegenwirken um dadurch Anerkennung und Respekt zu erhalten.

Bis zum Jahr 1949 waren Posaunenchöre reine Männerbünde. Zum jetzigen Zeitpunkt sind 1/5 der Bläserinnen weiblich, was laut Passarge, jedoch nicht auf den Posaunenchor Nieder-Ofleiden zutrifft.

Da wichtigste für den Chor und dessen Mitglieder seien die Selbstorganisation und die Gemeinschaft in der Gruppe. Der Anspruch, mehr als nur Musik zu machen stellt dabei eine hohe Herausforderung an den Einzelnen dar. Denn laut Pfarrer Bernd Passarge können Chöre nur stimmig werden, wenn die Stimmen stimmen.

So war es der damalige Pfarrer Paul Nürnberger, der im 1925 die Initiative zur Gründung eines Posaunenchores in Nieder-Ofleiden ergriff. Der Beginn des Posaunenchores Nieder-Ofleiden stand unter einem schlechten Stern.  Es waren schwierige Zeiten, so fehlte das Geld für Instrumente. In den Kriegsjahren 1939-45 konnten keine Übungsstunden durchgeführt werden. Nach dem Krieg fehlten die Bläser, da diese nicht zurückgekehrt waren.

Entscheidende Persönlichkeiten in der Geschichte des Posaunenchores stammten neben den aktiven Bläser und Initiatoren aus dem Hause Bräuning in Nieder-Ofleiden. Karl Bräuning sen. übernahm im Jahre 1947 die Leitung des Posaunenchores und verstand es, trotz der Auswirkungen von  Krieg, Besatzung und Wiederaufbau, Menschen für die Musik, den Posaunenchor und die Dorfgemeinschaft im Verein zu begeistern. Nach dreißig Jahren als Chorleiter übergab Karl Bräuning sen. anlässlich des 50. Jubiläums im Jahre 1977 die Leitung des Chores an seinen Sohn Karl Bräuning jun., der in die Fußstapfen seines Vaters trat und den Chor in seinem Sinne bis zu seinem Tod ebenfalls 30 Jahre weiterführte.

In diesem Zusammenhang bedankte sich Pfarrer Passarge bei allen, die die Kirchenmusik in den vergangenen Jahren gestaltet haben. Insbesondere bei dem abwesenden Chorleiter Helmut Pribbernow sowie dem Chorleiter Jürgen Hochgrebe. Mit einem Blick in die Zukunft hob er hervor, dass das einzig Beständige der Wandel sei. So benötige auch die Kirche, ihre Open-Air-Orgeln, nämlich die Posaunenchöre in der Kirchenmusik, die aus dem Stand, von Menschenhand und ohne Strom, Kirchenmusik erzeugen könnten. Pfarrer Passarge schloss seine Ansprache mit den Worten: „Möge Gott das Musizieren überall lebendig begleiten, wo das Blech in den Himmel blitzt“!

Gerhard Schierholz, als Vorsitzender des Posaunenchores begrüßte die vielen Gäste aus Nieder-Ofleiden, den ortsansässigen Vereinen, dem Ortsbeirat, des Hessischen Posaunenwerks  sowie des Magistrats der Stadt Homberg. Ganz besonders begrüßte er die Posaunenchöre aus Deckenbach und Appenrod, die in einem gemeinsamen Projekt mit den Bläsern aus Nieder-Ofleiden  das Jubiläumsfest gestalteten.

Unter Leitung von Jürgen Hochgrebe umrahmte der gemeinsame Projektposaunenchor mit ansprechenden Musikstücken, wie z.B. „Lobe den Herren“, den Festgottesdienst. Zu einem 85-jährigen Geburtstag gehören selbstverständlich auch Ehrungen. In Nieder-Ofleiden standen sogar zwei ganz besondere Ehrungen an. Die „Jungbläser“ Helmut Schaaf (62) und Volker Schierholz (55) wurden mit der silbernen Ehrennadel des Posaunenwerkes der EKHN, durch den stellvertretenden Vorsitzenden des Bezirks Oberhessen,  Herrn Herbert Schott ausgezeichnet. Schott betonte, dass bei den beiden Geehrten besonders hervorzuheben sei, dass sie noch im bereits fortgeschrittenen Alter die Bereitschaft zeigten, ein Musikinstrument zu lernen. Herbert Schott, der selbst Chorleiter des Posaunenchores Groß-Felda ist, stellte die Posaunenchöre als wichtigen Baustein der Verkündungsarbeit der evangelischen Kirche dar. Auch außerhalb der Kirche  würden Posaunenchöre viele Menschen bei kulturellen Veranstaltungen, Besuche von Seniorenheimen, Geburtstagsständchen, Beerdigungen und weiteren Anlässen erreichen. Dafür sei ein hohes Maß an künstlerischer und pädagogischer Arbeit erforderlich. Dass Alter dabei kein Argument sei, zeige die Bereitschaft beiden geehrten „Jungbläser“ Volker Schierholz und  Helmut Schaaf.

Der stellvertretende Chorleiter Jürgen Hochgrebe erinnerte sich an seine Anfängerzeit und bedankte sich im Zuge dessen, bei den anwesenden Ehegattinnen der verstorbenen Chorleiter, Eleonore und Christel Bräuning, für die geleistete Unterstützung.

Dass Posaunenchöre neben Kirchenliedern auch weltliches Liedgut perfekt in Szene setzen kann, bewies der Jubiläumschor aus Nieder-Ofleiden, mit den beiden Vorträgen „conto texon“ und „El condor pasa“ und erhielt dafür sehr viel Applaus.

Auch der Posaunenchor aus Appenrod/Maulbach unter der Leitung von Frank Dörr wusste mit seinen Liedvorträgen zu begeistern. Der Gospel „Kumbaya my Lord“ und der Beatles-Song „Lady Madonna“ wurden vom Publikum sichtlich gerührt angenommen.

Zum Abschluss der Veranstaltung hatten Gäste das Wort. Die Möglichkeit, den Gastgeberverein, zu beglückwünschen und Präsente zu übergeben, wurden von vielen genutzt, so auch Bürgermeister Prof. Belá  Dören von der Stadt Homberg. Nach einem gelungenen offiziellen Festakt nahm der gemütliche Teil seinen Lauf, bei dem Zukunftspläne geschmiedet oder einfach nur Geschichten von früher erzählt wurden

Auswahlchöre Oberhessen
Gesucht – Gefunden

Unter Börse findet man Chorleiterstellen und Anderes zum Stöbern und weitersagen.

kommende Termine
  • 28. Februar 2020Chorleitung III
  • 7. März 2020 09:00Bezirksversammlung
  • 20. März 2020 20:00Brass-ON in Gießen
  • 21. März 2020 17:00Junior-Brass in Lich
  • 13. April 2020Osterlehrgang
  • 26. April 2020 17:00Junior-Brass in Rosbach
  • 2. Mai 2020 18:00Junior-Brass in Hirzenhain
  • 10. Mai 2020 18:00Brass-ON in Schotten
  • 16. Mai 2020Brass-ON in Niederohmen
  • 14. Juni 2020 10:00Junior-Brass auf dem Hessentag
AEC v1.0.4
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